Die Geschichte der Feuerwehr Schlichten

Info: Der folgende Inhalt basiert aus der Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Schlichten vom Jahre 2010, anlässlich des Jubliläums zum 175 Jährigen bestehen.

Pferdehanddruckspritze von 1879

Die Feuerwehr Schlichten wurde am 9. März 1835 gegründet. An diesem Tag trafen sich im Rathaus Schlichten Anwalt Riethmüller und die Gemeinderäte Auwärter und Unrath sowie die Mitglieder des Bürgerausschusses. Schlichten gehörte damals noch zu Winterbach.
Aus Baiereck war Schultheiß Hees anwesend. Gegenstand der Beratung war das Aufbewahren der gemeinschaftlichen Feuerspritze, die Belohnung und Aufstellung eines Spritzenmeisters, sowie die Belohnung der Männer, die die Feuerspritze im Brandfall in die Nachbarorte bzw. nach Baiereck zu tragen haben.

Man fasste folgende Beschlüsse:

Als Spritzenmeister wählte man Jakob Friedrich Barth, Bäcker aus Schlichten. Falls er mit seiner Spritze in einen fremden Ort zu Hilfe eilen muss, erhält er pro Tag und 12 Std. 40 Kreuzer aus der Gemeindekasse. Falls die Löschmannschaft einen Trunk und Brot erhält, steht dem Spritzenmeister der gleiche Verzehr zu. Zum Tragen der Spritze wählte man Georg Auwärter, Heinrich Maier, David Auwärter, Weber und Ludwig Schlotz. Falls diese durch Abwesenheit oder Krankheit verhindert wären, wurden Peter Meerwarth, Michel Kühnle, Georg Eberle und Michel Schlotz, alle aus Schlichten als Ersatzmänner bestimmt. Wenn sie die Spritze zur Brandstelle außerhalb des Dorfs tragen mussten, bekamen sie 24 Kreuzer pro Tag und 12 Stunden.

Man hatte damals also schon eine tragbare Handdruckspritze. Ferner nennt das Gemeinderatsprotokoll noch zwei Feuerleitern, Feuerhaken und Feuereimer. Auch ein Feuersee bestand damals schon. Denn im 19. Jahrhundert wurde alle drei Jahre ein Vogttruggericht abgehalten. Dieses ordnete im Januar 1836 an, den Feuersee mit Faschinen einzumachen, weil der See in diesem Winter schon ein paar mal ausgerissen habe. Im Beisein des Gemeinderats und Bürgerausschusses beriet man, wie man diesen Befehl umsetzen könne. Man beschloss beim Forstamt um Solen- und Weidenholz und um einige Hundert Flechtgerten anzuhalten. Man ließ diese durch einen Zimmermann einmachen, der das Flechten und Einsetzen verstand. Ferner ließ man in der Gemeinde Erlen fällen, die man als Stangen verwendete.

Diese Arbeiten sollten in der Fron durchgeführt werden. Fronen waren unentgeltliche Arbeitsleistungen für einen Herrn. In Schlichten spielten diese Leistungen keine Rolle wie in anderen Gegenden Württembergs, wo es eine adelige Grundherrschaft gab. Hier dehnten sich die Fronen bloß auf Unterhaltung der Wege auf der Gemarkung und im Ort aus. Es handelte sich also um Gemeindefronen, also Arbeiten für die Gemeinde und nicht für einen adeligen Grundherrn. Da die Gemeinde kein Geld besaß, Wegebau, Wasserschutz und dergleichen mehr gegen Bezahlung zu vergeben, ließ sie das alles durch Fröhner ausführen. Sie trug nur die dabei anfallenden Materialkosten, allenfalls ganz geringe Trinkgelder. Zur Gemeindefron waren von alters her jeder Einwohner verpflichtet. Fernbleiben wurde bestraft.

Auf Grund eines Beschlusses des königlichen Oberamts Schorndorf erhielt dann die Gemeinde Baiereck am 6. Juni 1842 eine eigene Tragspritze, sie wurde vom Mechanikus Joseph Müller aus Faurndau um 120 Gulden geliefert. Die Kosten für die Spritze wurden geteilt und Baiereck zahlte an Schlichten 2 Gulden für die alte. Bereits im Jahre 1856 wurde die Gemeinde aufgefordert, eine Fahrfeuerspritze zu kaufen. Man war jedoch arm, hatte keine Pferde, die die Spritze hätten ziehen können. Deshalb erlaube man sich an das Oberamt, man solle die Gemeinde von der Anschaffung einer solchen verschonen. Denn die Kosten könne sie nur sehr schwer aufbringen, allenfalls durch eine Erhöhung der Gemeindeschadens-Umlage.

Auf Befehl des Oberamts Schorndorf musste man im Jahr 1853 zwölf neue Feuereimer anschaffen.

Schlichten war nun seit 1849 eine eigenständige Gemeinde. Für diese Zeit wurde nun eine eigene „Schultheißerei" eingerichtet. Der erste Schultheiß war Johann Jakob Auwärter, der 1871 starb. Der Gemeinderat bestand aus 6 Räten, der Beschlüsse zu allen wichtigen kommunalen Angelegenheiten fasste. Daneben gab es noch den „Bürgerausschuss", eine Art zweiter Kammer, die nochmals über die Gemeinderatsbeschlüsse beriet. Diese Gemeinderatsgremien tagten in Schlichten der Einfachheit halber gemeinsam.

Die beiden Gremien beauftragten nun Adam Käßer aus Schlichten mit der Herstellung der Eimer.

Keiner sollte unter 5 Maß Wasser fassen. Der Gemeinderat und Bürgerausschuss erstellte dazu folgende Bedingungen:

1. „Die Feuereymer müßten längstens bis 4 Wochen fertig seyn und sollen von gutem Leder und ganz der Vorschrift gemäß gemacht werden."

2. „Mus das Orts Zeichen eingenath das Ort aber ausgeschrieben werden."

3. „Die Feuereymer müßen von ganz gutem Rindleder gemacht werden darf kein Roßleder dazu verwendet werden."

4. „Weil keiner die Feuereymer wohlfeiler macht so solle dem Käser per Stück 2 G 24 bezahlt werden."

Am 17.12.1878 wurde dann beschlossen, auf Kosten der Gemeinde eine fahrbare Abprotze nebst 60 m Schläuchen, sowie 4 Dachleitern neuester Konstruktion mit einem Aufwand von ca. 1300 Mark anzuschaffen. Auch damals gab es schon einen Beitrag der Zentralkasse für Beförderung des Feuerlöschwesens.

Der damalige Schultheiß Maier wurde mit der Beschaffung der Abprotzspritze beauftragt. Gelichzeitig wurde bestimmt, dass die Abprotzspritze von Glockengießer Kurz in Stuttgart bezogen werden soll. Damit hatte man dann auch zwei Spritzenmeister, nämlich einen für die große und einen für die kleine Spritze. 1881 ist deshalb auch im Gemeinderatsprotokoll zu lesen:

„Den beiden Spritzenmeister aber welche nun sind Rößleswirth Heeß und Joh. Georg Auwärter, Käßer, jedem jährlich 6 Mark Besoldung zu geben und soll nun für die Verausgabung das laufende Rechnungsjahr genommen werden mit der Bedingung, dass die betreffenden Spritzenmeister jedes Mal so oft die Spritze gebraucht, solche zu reinigen und einzuschmieren haben."

Einer erste Lokalfeuerordnung wurde dann im August 1883 gutgeheißen. Am 13. August 1889 wurde dann vom königliche Oberamt die neue Lokalfeuerlöschverordnung bestätigt. Diese wurde am 16.12 desselben Jahres der Bürgerschaft eröffnet. Daraus geht hervor, dass es damals in Schlichten 1 Feuersee, 3 Schöpfbrunnen, 2 Pumpbrunnen und 15 Hydranten gab. Die Feuerwehr besaß 1 vierrädrige, zweistrahlige Saug- und Druckfeuerspritze, 60 m Druckschlauch, 1 Handspritze, 1 Tragspritze, 3 Anstellleitern, 3 Dachleitern, 3 Blechbutten, 2 Schapfen, 3 Feuerhaken, 22 Pechfackeln und 1 Schlauchtrockenvorrichtung am Rathaus. Hilfe zu leisten war in Baiereck, Hegen lohe, Oberberken und Thomashardt.

An der Spitze stand der Kommandant, dem ein Stellvertreter und ein Hornist beigegeben war. Weiter ist darin zu lesen, dass der Kommandant mit Helm samt weißem Rosshaarbusch, Dienstrock mit drei vergoldeten Sternen an beiden Seiten des Rockkragens ausgerüstet ist, sowie mit Steigergurt, Steigerseil, Beil samt Beiltasche und einer zweitönigen Hupe samt Schnur. Die Alarmgebung erfolgte durch den Hornist und durch die Kirchenglocken. Auch gab es damals Feuerreiter, die in die Nachbargemeinden reiten mussten, um die dortige Feuerwehr zu Hilfe zu rufen. Er hatte Ersuchungsschreiben dabei, die er in den Hilfsgemeinden abzugeben hatte. Bei strenger Kälte musste in der Nähe des Brandplatzes heißes Wasser bereitet werden „damit das Einfrieren der Spritze verhindert wird". Insbesondere mussten Gewerbetreibende mit Kesseleinrichtung wie Bierbrauer, Färber, Gerber, Seifensieder, Brandweinbresser usw. sofort ihre Kessel zu diesem Zwecke heizen und heißes Wasser in Butten und Kübeln zur Brandstätte tragen. 1903 schaffte man doch noch einen einachsigen Hydrantenkarren an.

Die Anfänge des 20. Jahrhunderts

Im Jahre 1912 stellte Oberamtsbaumeister Huppenbauer anlässlich einer Feuerwehr-Visitation den Antrag für die Feuerwehr anstatt leichter Drillichanzüge Tuchröcke zu beschaffen. Der Gemeinderat beschloss dies, die Tuchlieferung erfolgte durch Herrn Böhler hier in Schorndorf. Mit der Anfertigung wurde Schneidermeister Dold aus Hohengehren beauftragt. Die Neuanschaffung von Normalkupplungen wurde trotz Bezuschussung mit 33 1/3 % im Jahre 1913 abgelehnt, genau so wie der Kauf eines Reservemotors, der nur für Feuerlöschzwecke dienen sollte. 1924 mussten dann 2 Rauchschutzhauben und 1927 noch 2 Geistgreifer angeschafft werden.

Eine neue Ortsfeuerlöschordnung wurde 1925 beschlossen. Sie berücksichtigte insbesondere die technische Entwicklung auf dem Gebiete der Feuerwehren. Übrigens handelte es sich damals wie auch schon zuvor um eine Pflichtfeuerwehr. Jeder männliche Einwohner vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zum vollendeten 50. Lebensjahr, der im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte war, war zum Dienst in der Feuerwehr verpflichtet.

Erst durch einen Erlass vom 8.5.1936 wurden dann freiwillige Feuerwehren eingeführt, die als eingetragener Verein geführt wurden. Mit Urkunde vom 8.2.1940 wurde dieser Verein dann aufgelöst, das Vermögen ist ohne Liquidation auf die Gemeinde Schlichten übergegangen.

Die Nachkriegszeit

LF 8 Übergabe 1990

Nach dem Kriege und zwar 1946, wurde eine gebrauchte TS 8 und ein Tragkraftspritzenanhänger von der Stadt Stuttgart erworben. Damit hatte auch die Gemeinde Schlichten eine Motorspritze. Im Jahre 1969 beschloss der Schlichtener Gemeinderat die Anschaffung eines Löschfahrzeuges, nämlich eines Löschgruppenfahrzeugs vom Typ LF 8 auf Mercedes Benz 408 der Firma Bachert in Bad Friedrichshall. Das Fahrzeug war von Daimler-Benz. Damit bewiesen der damalige Bürgermeister Walter Auwärter, der Feuerwehrkommandant Erich Auwärter und der Gemeinderat Weitblick.

Die Nachbargemeinden hatten alle kleinere Fahrzeuge. Doch in Schlichten war man der Ansicht, wenn man schon ein solches Fahrzeug anschafft, solle es „nichts Halbes" sein. Die Alarmierung der Feuerwehr in Schlichten erfolgte von der Gründung bis in die 20 er Jahre mit einer Feuerwehr Signal-Trompete und einer 2-tönigen Hupe. Mit diesem Signal wurden von der Mesmerin auch die Kirchenglocken geläutet. In den 1920er Jahren wurde dann auf die Sirenenalarmierung umgestellt. Dazu wurden elektrische Sirenen sowie für Notfälle auch Handsirenen vorgehalten.

Erst Anfang der 1980 er Jahre mit dem Ende des Ost-West-Gegensatzes in Europa wurde die Sirenenalarmierung abgestellt und der nächste Modernisierungsschritt eingeleitet: Die Alarmierung auf damals noch analoge Meldeempfänger. Das Löschgruppenfahrzeug LF 8 von Bachert mit einer heute recht seltenen Wasserringentlüftung hielt beständig sämtlichen Einsätzen bis Ende der 80er Jahre stand.

Reinhard Hanke und Erich Auwärter 1990 bei Fahrzeugübergabe

In seinen letzten Amtsjahren versuchte der damalige Abteilungskommandant Erich Auwärter noch den nächsten Schritt einer Modernisierung der Feuerwehr Schlichten zu erreichen. So wurde mit Unterstützung des damaligen Kreisbrandmeisters Karl ldler und des in Schlichten wohnhaften Oberbürgermeisters von Schorndorf, Reinhard Hanke, im Jahre 1990 ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 in schwerer Ausführung auf Mercedes Benz 814 der Firma Ziegler beschafft. Die nun beschaffte Fahrzeuggröße war leider für das seither an das alte Rathaus angebaute Feuerwehrmagazin mit Garage nicht mehr zeitgemäß, da das neue Fahrzeug zu hoch war.

Somit wurde der Beschluss gefasst, mittelfristig ein neues Feuerwehrgerätehaus in Schlichten zu errichten. Zur Fahrzeugübergabe am 25. März 1990 war der erste Bauabschnitt fertig, der dem LF 8 und einem Schlauchanhänger Platz bot. In den folgenden Jahren wurde das Feuerwehrgerätehaus weiter ausgebaut und die 2. Fahrzeugbox bzw. Umkleideräume für die damals noch rein von Männern bestimmte aktive Wehr errichtet. Zusätzlich wurden im Erdgeschoss noch sanitäre Anlagen, Toiletten und ein Kommandozimmer bzw. Funkraum errichtet. Im 1. Stock entstand eine Küche sowie ein Versammlungs- bzw. Schulungsraum, der ausreichend Platz für Schulungen und kameradschaftliche Aktivitäten bietet. In den Neubau des Gerätehauses wurden rund 4.350 Stunden von den aktiven Kameraden investiert, eine beispiellose Leistung für die Mannschaftsstärke der Feuerwehr Schlichten. Im Oktober 1996 wurde das Feuerwehrgerätehaus in der heutigen Form seiner Bestimmung übergeben und festlich eingeweiht.

Im Jahr 1998 erhielt die Feuerwehr Schlichten einen Feuerwehranhänger Schlauch, der rund 400 Meter B-Schläuchen inkl. Standrohr und Aufwickelmechanismus enthält. Die Schläuche reichen aus, um eine Schlauchleitung vom Allwetterbad zum Sägewerk bzw. in die Ortsmitte zu verlegen, um dort über ausreichend Wasser vor Ort zu verfügen.

Es war schon einige Male die Rede von Feuerspritzen. In Schlichten ist man stolz darauf, dass alle jemals angeschafften Feuerlöschgeräte noch existieren. Im Feuerwehrgerätehaus ist die Handdruckspritze von 1835 erhalten, die Pferde-Abprotzspritze von 1879, sowie eine alte Tragkraftspritze des Fabrikats DKW. All diese historischen Geräte sind einsatzfähig. Für das alte Löschgruppenfahrzeug LF 8, Baujahr 1969, bestand nach Außerdienststellung das Interesse eines privaten Schlichtener Bürgers. Es wurde jedoch 1990 nach Fall der Mauer als Freundschaftsgabe der Feuerwehr Kahla (Thüringen) übergeben, ein erster Schritt für die Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Schorndorf und Kahla in Thüringen. Das LF 8 existiert dort noch heute und ist dort als Multifunktionsfahrzeug für die Einsatzleitung sowie für Kleineinsätze und Versorgungsfahrten eingesetzt. Die Vorbaupumpe mit Wasserring-Entlüftung ist noch funktionsfähig. Auch Kahla besitzt zwischenzeitlich eine sehr gut ausgestattete Feuerwehr.

Mannschaftsstärke der Feuerwehr

Die Mannschaftsstärke der Feuerwehr in Schlichten unterlag stets großen Schwankungen, in denen sich natürlich auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen bemerkbar machten. Es begann 1835 mit 9 Mann. Es entspricht der heutigen Gruppenstärke. Diese Stärke wurde lange gehalten.
Erst in den Jahren 1870 bis 1880 wurde die Mannschaftsstärke erhöht. Genaue Zahlen und Aufzeichnungen liegen hier allerdings nicht mehr vor. 1889 sollen es dann, laut handschriftlichen Vermerks in der damaligen neuen Lokalfeuerordnung, 61 Feuerwehrleute gewesen sein. Genauere Eintragungen liegen erst seit 1910 vor.

Das vorliegende Rapportbuch gibt die Zahl der Feuerwehrmänner am 25.04.1910 mit 53 Mann an. Während des Ersten Weltkrieges schwankte die Zahl zwischen 14 und 47 Mann. Der Höchststand wurde in den Jahren 1929 und 1930 erreicht, nämlich 66 Feuerwehrleute. Ein Novum gab es im Zweiten Weltkrieg.
Am 18. Februar 1944 wurde eine Frauenfeuerwehr aufgestellt. Im Rapportbuch unter diesem Tage ist der Eintrag zu finden:

"Einteilung der Mädchen und Belehrung", Stärke: 20 Frauen und als Abteilungsbezeichnung "Hilfstrupp".

Dies war eine Auswirkung des fürchterlichen Krieges, denn die meisten Männer waren eingezogen worden.

1972 musste dann die Schlichtener Feuerwehr ihre Selbständigkeit aufgeben. Die Gemeinde Schlichten kam zur Stadt Schorndorf, und damit auch ihre Floriansjünger mit ihrem noch fast neuen LF 8. Seit diesem Jahr wird die Feuerwehr Schlichten als Freiwillige Feuerwehr Schorndorf, Abteilung Schlichten geführt. Der langjährige Kommandant, später Ehrenkommandant, Erich Auwärter, verfügte 1985 über 2 Gruppen mit insgesamt 25 Feuerwehrleuten. In den vergangenen 25 Jahren schwankte die Anzahl der Feuerwehrangehörigen stetig zwischen 20 und 28 Mann. Zur Zeit dieser Festschrift, im Jahr 2010, verfügte Abteilungskommandant Joachim Aurenz über 26 Aktive Feuerwehrkameraden.
Heute im Jahr 2017, sind 25 aktive Feuerwehrkameraden unter der Führung von Abteilungskommandant Gunter Pfeil.

Die Gruppenaufteilung wurde am Ende der 1990er Jahre wieder aufgegeben. Um die entsprechenden Übungsmöglichkeiten mit dem LF 8, Schlauchanhänger etc. ausnutzen zu können, treffen sich stets alle aktiven Kameraden der Feuerwehr Schlichten zu den Übungen. Auch in der heutigen Abteilung Schlichten zeigt sich der berufliche und gesellschaftliche Wandel. Ist es doch heute nicht mehr für alle Kameraden so einfach, wegen des für die Gesellschaft doch so wichtigen Feuerwehrdienstes von Ihrem Arbeitsplatz fernzubleiben. Doch auch hier ein Dank an allen Arbeitgebern, die es ihren Beschäftigten stets ermöglicht haben und ermöglichen, den Dienst bei der Feuerwehr wahrzunehmen.

Jugend- und Altersfeuerwehr

Gründungsurkunde der Jugendfeuerwehr

Im Jahr 1990 wurde in der Abteilung Schlichten eine Alterswehr gegründet, die über viele Jahre den aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen Kameraden eine Heimat für verschiedenste Freizeitaktivitäten gab. Die Alterswehr verfügte über eine durchschnittliche Mitgliederanzahl von 7 Mann, die sich leider durch eine kurze Folge von Todesfällen in den letzten Jahren auf heute 2 Mann reduzierte.

Im Jahr 2000 wurde aus Initiative von heute aktiven Kameraden eine Jugendfeuerwehr gegründet, die in den vergangenen Jahren stets für Nachwuchs in den Reihen der aktiven Wehr sorgte. Festzustellen ist aber auch hier in Schlichten, oft typisch für den ländlichen Raum, dass die Begeisterung und der Wille in der Feuerwehr aktiv zu sein und aktiv zu werden, stets von Generation zu Generation weitergegeben wird und sich oft schon die 2. oder 3. Generation im Dienst der Feuerwehr Schlichten sind, vergleicht man die Namen der Rapportbücher und Protokolle, sind sicher noch viele Generationen mehr von einer Familie in der Feuerwehr aktiv gewesen.

Einsätze nach dem zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg gab es 1977 einen Flächenbrand zu löschen.

Im September 1978 brannte der Lagerschuppen einer Etikettenfabrik in der Strutstrasse und am 7. September 1979 das Haus Schurwaldstraße 69 gegenüber vom Gasthaus Hirsch. Mit Unterstützung der Schorndorfer Feuerwehr konnte damals ein Übergreifen auf die benachbarten Häuser vermieden werden. Allerdings denken die Schlichtener Feuerwehrleute nicht gern an diesen Brand zurück. Denn ausgerechnet an diesem Tag war das Feuerwehrauto in Reparatur. So eilte man mit dem alten Hydrantenkarren zur Brandstelle und konnte auch damit Schlimmeres verhindern, bis die Schorndorfer Feuerwehr am Brandort eintraf.

Danach gab es noch zwei kleinere Brände. Ferner musste auch bei Verkehrsunfällen Hilfe geleistet werden. Auch das Auspumpen von Kellern nach schweren Regenfällen gehörte zu den Aufgaben der Feuerwehr.

Am 4. Oktober 1985 war ein Wohnungsbrand in der Vogelsangstraße zu bekämpfen. In den Folgejahren sorgten die Holzindustrie, ein Sägewerk und ein Arbeitsplattenproduzent, für Einsätze der Feuerwehr in Schlichten.

Am 2. Januar 1986 wurde die Feuerwehr Schlichten zu einer brennenden Waldhütte in Fahrtrichtung Hohengehren gerufen. Das Objekt stand lichterloh in Flammen, so dass man nur noch die Umgebung schützen konnte. Im gleichen Jahr wurde man 4 Mal zu Hilfeleistungseinsätzen wegen umgestürzter Bäume in Fahrtrichtung Schorndorf gerufen.

1988 mussten Bäume in Richtung Baiereck nach einem Sturmereignis beseitigt werden. Im Mai musste ein Wiesenbrand in der Nähe des Friedhofes bekämpft werden.

Im Februar 1989 kam es zu einem Brand im Dachstuhl einer Werkhalle des Sägewerkes in der Baierecker Straße. Dieser konnte nur mit entsprechendem Aufgebot an Einsatzkräften bekämpft und ohne Verlust des kompletten Gebäudes bewältigt werden.

1990 musste man am 15. Februar zur Hilfeleistung nach Schorndorf in die Remsstraße ausrücken, wo zahlreiche Keller und Gebäude nach einem Hochwasser unter Wasser standen. Auch in Schlichten war wegen Starkregen ein Keller überflutet. Hier waren die Feuerwehrkameraden rund 11 Stunden am Stück im Einsatz.

Am 26. und 27. Februar waren die Vorboten des Sturms „Wiebke“ angekommen: zwei Tage hintereinander waren nach Sturmböen Bäume über Straßen zu beseitigen. Der Sturm Wiebke erwischte dann am 1. März 1990 nochmals Schlichten mit voller Wucht. Dabei wurde um 4.30 Uhr das Dach des Allwetterbades abgerissen und zahlreiche Bäume waren umgestürzt. 

Am 12. Mai 1990 wurde ein Wohnungsbrand in der Rathausstraße gemeldet worden, der sich als Verpuffung durch einen Ölofen entpuppte. Dies war der erste Einsatz des neuen Löschgruppenfahrzeuges LF 8.

Der 17. Juli 1990 brandte ein Zimmer in der Firma Falkenstein. Ein Mitarbeiter, der mit einer Zigarette eingeschlafen war musste im Krankenhaus ambulant versorgt werden.

Im November 1990 brannte ein Traktor in einer Scheuer in der Schurwaldstraße. 

Als spektakulärer Einsatz zeigte sich am 12. Dezember 1990 ein „Staubsaugerbrand“ in der Zwerchäckerstraße. Ein Kuriosum: Der damalige Gesamtkommandant der Feuerwehr Schorndorf wurde nicht in die Wohnung gelassen, da wegen Schneematsches seine Schuhe nicht sauber waren.

Im Jahr 1991 gab es wieder einige Kleineinsätze: einen Werkstattbrand, umgestürzte Bäume und Keller unter Wasser.

Am 2. Juli 1992 wurde die Schlichtener Feuerwehr wie die von Weiler, Winterbach und Schorndorf zu einer nächtlichen Suchaktion gerufen. Man musste den Wald durchkämmen weil angeblich ein Flugobjekt mit einem Feuerschein abgestürzt sei. Letztendlich stellte sich heraus, dass japanische Himmelslichter von einer Party aufgestiegen waren. Es folgten wieder zahlreiche Kleineinsätze bis zum Jahr 1994.

Am 4. April 1995 kam es in der Fabrik für Werkbank- und Küchenarbeitsplatten zu einem Brand der  Lackieranlage. Auch hier war aufgrund der gelagerten chemischen Stoffe ein entsprechendes Aufgebot an Arbeitskräften mit der Feuerwehr Schorndorf erforderlich. 

Nur wenige Tage, am 7. April 1995 später kam es im Sägewerk zu einem Brand des Dachfirstes der Sägehalle. Auch hier konnte wieder durch frühzeitiges Eingreifen der Feuerwehr großer Schaden vermieden werden, die Kameraden waren an diesem Abend gerade von der Übung zurückgekehrt und waren schnell vor Ort.

Rund 3 Jahre später kam es am frühen Morgen des 9. Juli 1998 zu einem Brand der Heizungsanlage im Sägewerk. Durch einen geschmolzenen Druckluftschlauch erhielt das Feuer Luft und es kam zu einer starken Brandentwicklung. Hier war sogar der erst kurz zuvor eingebaute neue Heizkessel geplatzt. Glücklicherweise konnte der Schaden auf rund die Hälfte des Gebäudes eingedämmt werden.

Am 30. Juni 1998 wurde die Feuerwehr zur Bergung einer Leiche in den Sandbruch in Fahrtrichtung Schorndorf gerufen. Rund ein ¾ Jahr nach dessen Tod musste die Leiche eines Mannes ausgegraben und geborgen werden.

Nachdem die holzverarbeitenden Betriebe mit Brandmeldeanlagen ausgerüstet wurden, kam es in diesen Jahren zu zahlreichen Fehlalarmen. Parallel waren mehrere Kleineinsätze nach Verkehrsunfällen, Ölspuren und umgestürzte Bäume zu beseitigen.

Der Sturm „Lothar“ am 26. Dezember 1999 hinterließ Spuren im Gedächtnis der Feuerwehrleute. Dieser Sturm richtete auf der Hochfläche des Schurwaldes beträchtliche Schäden im Wald an Gebäuden und technischen Anlagen an. Die Feuerwehrleute sicherten häufig unter Einsatz ihres Lebens Hab und Gut der Bürger. Schlichten war von der Außenwelt abgeschnitten. Ringsum waren sämtliche Straßen durch Bäume blockiert. Die Feuerwehr stellte wieder die Erreichbarkeit von Schlichten her indem die Hindernisse auf den Straßen beseitigt wurden. Trotz aller Warnungen war auch eine Familie mit Ihrem Fahrzeug in Fahrtrichtung Schorndorf mit Ihrem PKW eingeschlossen und musste noch während dem Höhepunkt des Sturms befreit werden.

Im Jahr 2000 war in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember wieder ein tragischer Einsatz der Feuerwehr Schlichten zu verzeichnen. Die Kameraden wurden kurz vor Mitternacht zu einem Verkehrsunfall in Fahrtrichtung Schorndorf gerufen und mussten dabei feststellen, dass ein junger, erst 18 Jahre alter Schlichtener, in seinem Fahrzeug tödlich verunfallt war.

Bereits am 12. September 2001 kam es auf der Verbindungsstraße nach Winterbach wieder zu einem Frontalzusammenstoß von 2 Fahrzeugen mit einer schwer verletzten Person.

Am 21. März 2002 wurde die Feuerwehr Schlichten wieder zu einem rund 11 Stunden langen Einsatz in die Remsstraße nach Schorndorf gerufen. Nach einem Unwetter mit heftigen Regenfällen kam es dort zu schweren Überflutungen.

Ein Verkehrsunfall führte im Oktober 2002 an 2 Tagen hintereinander zu einem Einsatz. Ausgelaufenes Öl hatte zu einer Gewässerverunreinigung geführt. Beim 2. Einsatz wurde das ausgelaufene Öl aus dem Bach mit einem Spezialfahrzeug der Firma Falkenstein abgesaugt.

Am 29. Mai 2003, Christi Himmelfahrt und Vatertag, fand das alljährliche Vatertagsfest der Feuerwehr Schlichten bei tropischen Temperaturen statt. Am Abend kam es dann zu einem heftigen Gewitter, das zu einem überfluteten Keller führte. Während Kameraden das Fest abbauten, pumpten andere den überfluteten Keller aus. Im August 2003 war noch ein Flächenbrand zu bekämpfen.

Bereits am 1. Januar 2004 um 0:31 Uhr musste eine brennende Baumkrone mit Kleinlöschgerät abgelöscht werden. Prosit Neujahr!

Außerdem war in 2004 wieder ein Flächenbrand zu bekämpfen und eine überflutete Tiefgarage wurde ausgepumpt. Im Oktober musste bei einem Verkehrsunfall mit einem verletzten Motorradfahrer Hilfe geleistet werden.

Im Jahr 2005 war ein Gebäudebrand zu verzeichnen. Am 26. September 2005, einem Montagmorgen, wurde die Feuerwehr Schlichten zu einem Gebäudebrand in der Kaiserstraße 58 gerufen. Dieses Mal kein Wohnhaus. Die Feuerwehr musste zu einem Gebäudebrand in die Friedhofskapelle eilen. Dort wurde durch einen technischen Defekt ein Großteil des Dachstuhls der Aussegnungshalle zerstört.

Im Januar 2006 wurden die Kameraden mit dem Stichwort Kaminbrand in die Schurwaldstraße 78 gerufen. Zum Zeitpunkt des Einsatzes herrschten Temperaturen um minus 15 Grad Celsius. Glücklicherweise waren nur ein Ofenrohr und die Kaminisolierung überhitzt, so dass lediglich Kontroll- und Sicherungsmaßnahmen erforderlich waren.

Am 2. August 2006 musste ein brennendes Stoppelfeld abgelöscht werden. Die Feuerwehr Schorndorf unterstützte die Löscharbeiten mit einem Tanklöschfahrzeug.

Nur ein Einsatz war im Jahr 2007 mit einem Flächenbrand bei den Burwiesen im August zu verzeichnen.

Das Folgejahr 2008 begann am 9. April mit einem brennenden Schutthaufen, bei dem annähernd eine komplette Büroeinrichtung mit Büchern beim Waldparkplatz von einem Unbekannten abgeladen und angezündet wurde.

Die darauffolgenden Einsätze finden Sie unter dem Navigationspunkt Einsätze.

Übersetzung der Gründungsurkunde

Geschehen Schlichten den 8. März 1835, Seite 96

Unter dem heutigen Tage haben sich versammelt:

Von Baiereck:

  • Schultheiß Hees

Von Schlichten:

  • Anwalt Riethmüller
  • Gem. Rath Auwärter
  • Gem. Rath Unrath

Nebst dem Bürger Ausschuß um sich über das Aufbewahren der gemeinschaftlichen Feuerspritze über die Belohnung und Aufstellung eines Spritzenmeisters über die Belohnung der Männer, welche die Feuerspritze im Falle dieselbe in der Nachbarschaft gebraucht würde von hier an Ort und Stelle zu tragen haben, sich zu berathen und einen Beschluß zu faßen.

1. Es wurde nun nach längerem hin und her reden beschloßen: Dem Spritzenmeister solle im Fall er mit seiner Spritze in ein fremdes Ort zur Hilfe eilen oder Kommen muß für seine Versäumniße pro Tag und 12 Std. 40 Kreuzer aus der Commun Caße ausbezahlt werden, derbey noch bemerkt wird, dass dasselbe im Fall die Löschmannschaft einen Trunk erhält der Spritzenmeister eben so viel Trunk und Bod als einer der Löschmannschaft erhalten solle.

2. Der Spritzenmeister hat die Verbindlichkeit die Spritze zu butzen, einzuschmieren überhaupt für die Erhaltung der Spritze sowohl bey Feuersbrünsten als auch in ihrem Aufbewahrungsort zu sorgen wofür er verantwortlich gemacht wird. Für diese Mühe ist ihm ausgesetzte 40 Kreutzer pro Jahr wobey bemerkt wird, dass der oder Schmalz von der Commun angeschafft wird.

3. Diejenigen 4 Männer welche die Spritze auf die Brandstätte tragen außerhalb des Dorfs täglich 24 Kreutzer (12 Stunden pro Tag).

4. Fürs Aufbewahren der Feuerspritze wurde dem Beck Jakob Bart welcher sich dazu verbindlich macht die Spritze in einem gesunden Platz aufzubewahren jährlich 1 Gulden 30 Kreuzer.

5. Als Spritzenmeister wurde aufgestellt und gewählt:

  • Jakob Friedrich Barth, Beck

Vorstehendes beurkundet:

  • Barth

6. Zum Tragen der Spritze wurde gewählt:

  • Georg Auwärter
  • Heinrich Maier
  • David Auwärter
  • Weber
  • Ludwig Schlotz

Und im Falle diese verhindert würden durch Abwesenheit oder Krankheit:

  • Peter Meerwarth
  • Michel Kühnle
  • Georg Eberle
  • Michel Schlotz

Die vorbenannten Kosten sind von der Gemeinde Baiereck und Schlichten je zur Hälfte zu tragen.

Vorstehende Verhandlung beurkunden

Von Baiereck:

  • Schultheiß Hees

Von Schlichten:

  • Anw. Riehtmüller
  • Auwärter
  • Auwärter
  • Unrath

Bürger Ausschuß:

  • Bömmerle
  • Schlotz
  • Barth

Kommandanten seit 1835

Jahr Kommandant
2015 Gunter Pfeil (bis heute)
1990 Joachim Aurenz
1968 Erich Auwärter (Ehrenkommandant +2008)
1965 Walter Kolb
1960 Ernst Schlotz
1955 Fritz Kiesel
1949 Max Auwärter
1929 Friedrich Kolb
Daniel Auwärter
1921 Gottlob Auwärter, Johs, Sohn
Georg Bischoff, Bauer
1897 Albert Heeß
1881 Daniel Heeß, Rößleswirt
1880 ......... Strodtbeck, Schreiner
1855 David Auwärter, Bauer
1842 Georg Auwärter, Wagner
1835 Jakob Friedrich Barth, Beck
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